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Wer ist Daddy?
Kritik der allourhomes.net-Redaktion
2,0
lau
Wer ist Daddy?
Von
Es gibt jede Menge bockstarke Drehbücher, die sich trotzdem einfach nicht verkaufen - bestenfalls erscheinen sie dann auf der jährlichen Hollywood Blacklist der besten nicht produzierten Skripts und finden so über Umwege womöglich doch noch einen Abnehmer. Es kann aber auch ganz anders laufen: Als „Office Christmas Party“-Autor Justin Malen sein Drehbuch zu „Wer ist Daddy?“ erstmals pitchte, verkaufte er es anschließend innerhalb von nur 36 Stunden. Zudem gibt mit Lawrence Sher der Kameramann des modernen Komödien-Klassikers „Hangover“ hier sein Regiedebüt, der dazu nicht nur seinen „Hangover“-Kumpel Ed Helms mitgebracht, sondern auch noch „Midnight In Paris“-Star Owen Wilson rangeschafft hat. Aber was auf dem Papier nach einem nahezu narrensicheren Projekt klingt, ist in der Praxis leider eine zumeist fade Angelegenheit geworden. Die episodenhaft angelegte Odyssee zweier ungleicher Zwillinge auf der Suche nach ihrem Erzeuger findet selten einen stimmigen Ton und wirkt auch erzählerisch ähnlich unentschlossen.

Als sie bei der zweiten Hochzeit ihrer Mutter Helen (Glenn Close) aufeinandertreffen, haben sich die zweieiigen Zwillingsbrüder Kyle (Owen Wilson) und Peter Reynolds (Ed Helms) zuvor ganze vier Jahre lang nicht gesehen. Sie liegen zwar nicht wirklich im Clinch, sind aber einfach so unterschiedlich, dass sie einfach keinen Draht zueinander finden. Aber als dann im Laufe der Feier herauskommt, dass ihre Mutter sie über die Existenz ihres Vaters 40 Jahren lang belogen hat, müssen sie sich wohl oder übel zusammenreißen, um ihren leiblichen Vater zu finden. Denn auch wenn sie nun wissen, dass der gar nicht wie behauptet tot ist, steht trotzdem nicht fest, wer es denn nun genau ist – ihre Mutter hat 1975 nämlich eine Menge wilder Partys im legendären New Yorker Studio 54 gefeiert und der Ära angemessen freie Liebe praktiziert. Heißester Kandidat auf die Vaterschaft ist der ehemalige Football-Superstar Terry Bradshaw (der viermalige Super-Bowl-Gewinner der Pittsburgh Steelers spielt sich selbst), dem der flippig-relaxte und reiche Lebenskünstler Kyle und sein spießiger Arzt-Bruder Peter in Miami einen Besuch abstatten. Aber das ist noch lange nicht die letzte Station auf ihrem Roadtrip quer durch die USA...



Es ist selten ein gutes Zeichen, wenn Starts von Produktionen mehrfach verschoben werden - natürlich gibt es auch von dieser Regel prominente Ausnahmen wie das Meta-Horror-Meisterwerk „The Cabin In The Woods“, aber „Wer ist Daddy?“ gehört leider nicht dazu. Nachdem er bereits im Oktober 2015 gedreht wurde, gab es anschließend mehrere Verschiebungen inklusive eines Studiowechsels, bevor der rüde betitelte „Bastards“ zwei Tage vor Weihnachten unter dem deutlich feiertagstauglichen Originaltitel „Father Figures“ in die amerikanischen Kinos kam – und dort folgerichtig floppte: Die Reise der Brüder wirkt statisch und berechenbar, wie am Reißbrett konstruiert. Diese Vorhersehbarkeit wird nur ein einziges Mal effektiv durchbrochen - nämlich im Finale, das tatsächlich eine hübsche, auch emotional zündende Wendung bereithält. Aber zu diesem Zeitpunkt ist das Interesse des Zuschauers an den Figuren längst erlahmt, weil Lawrence Shers an schönen Spielorten platzierte Story trotz Roadtrip nie den nötigen Drive entwickelt, um das Publikum bei der Stange zu halten. Die Vatersuche dient als roter Faden, an dem sich die Protagonisten arg träge von einer Episode zur nächsten hangeln, ohne dass sie sich zwischendurch mal mit einer mutigen Pointe freischwimmen könnten.

Es klingt nach einer sehr guten Idee, die Comedy-Größen Ed Helms (grandios in „Hangover“) und Owen Wilson (sehr lustig in „Die Wedding-Crasher“) gemeinsam auf große Fahrt zu schicken. Nur entwickeln die beiden in der Praxis leider überhaupt keine gemeinsame Chemie, auch weil sie starr in ihren altbekannten Rollen hängenbleiben. Helms ist wieder der stocksteife US-Durchschnittsspießer (so einer spricht den Vorspann von „Law & Order: Special Victims Unit“ natürlich auswendig mit), der geschieden und depressiv taumelnd nach einem besseren Leben fandet und eher in einer melancholischen Indie-Komödie spielt, während Owen Wilson seine üblichen Marotten des cool-dösigen Slackers sogar noch extra betont. So ist „Wer ist Daddy?“ mal zotig, mal zaghaft ernsthaft und mal überdreht, ohne dass diese verschiedenen Elemente stimmig zusammengebracht würden. Jeder macht, was er eh im Schlaf kann, egal ob es passt oder nicht - und notfalls streut Sher eben einen Behindertenwitz ein, wobei nicht mal der zündet, weil sich der Regisseur einfach nicht traut, auch mal etwas mehr zu riskieren. Das ist bezeichnend für den ganzen letztendlich harm- und zahnlosen Film. Echte Lacher hat die Komödie kaum, nur ein paar amüsante Situationen, die sich aber nun mal auch kaum vermeiden lassen, wenn solch hochkarätige Gäste wie J.K. Simmons („Whiplash“) als cholerischer Ex-Broker, Christopher Walken („Die durch die Hölle gehen“) als ängstlich-linkischer Tierarzt oder Ving Rhames („Pulp Fiction“) als klobig-herziger Ex-Footballer die Geschichte beleben und Glenn Close („Eine verhängnisvolle Affäre“) als promiskuitive Hippiemutter Charme und eine Wildheit versprüht, die dem Film in allen Szenen ohne sie leider abgeht.

Fazit: „Hangover“-Kameramann Lawrence Sher legt mit der handzahmen Komödie „Wer ist Daddy?“ ein an hübschen Orten spielendes, aber erzählerisch mäßiges Regiedebüt vor, bei dem es trotz Owen Wilson und Ed Helms kaum mal was zum Lachen gibt.
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